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Schwangerschaft & Geburt

Saugglocke

Die Saugglocke (Vakuumextraktor) ist ein medizinisches Instrument zur vaginal-operativen Geburtsbeendigung, das mittels Unterdruck am kindlichen Kopf die Austreibung des Kindes bei Komplikationen aktiv unterstützt.

Definition

Die Saugglocke (fachsprachlich Vakuumextraktor) ist ein gynäkologisches Instrumentarium zur vaginal-operativen Entbindung. Sie kommt ausschließlich in der späten Austreibungsphase zum Einsatz, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist und der kindliche Kopf tief im Geburtskanal liegt.

Das System besteht aus einer runden Saugglocken-Kappe (Pelotte) aus Silikon oder Metall, einem Vakuumschlauch, einer manuellen oder elektrischen Vakuumpumpe sowie einer Zugvorrichtung. Moderne Kreißsäle nutzen häufig handliche Einwegsysteme (wie die Kiwi-Vakuumextraktoren), die Pumpe und Zuggriff in einer Handeinheit vereinen.

Funktionsweise und Spezifikationen

  • Unterdruckaufbau: -0,6 bis -0,8 bar (-450 bis -600 mmHg)
  • Wirkprinzip: Fixierung durch Vakuum auf dem Führungspunkt des kindlichen Schädels nahe der kleinen Fontanelle
  • Kappenarten: Weiche Silikon- oder Hartplastikschalen (Durchmesser: ca. 50 bis 60 mm)
  • Zugkraft: Synchrone Zugunterstützung entlang der Beckenachse ausschließlich während einer Wehe

Die Saugglocke dient als Führungshilfe und Zugverstärker, ersetzt jedoch nicht die aktive Wehentätigkeit oder das Mitpressen der Gebärenden.

Warum ist das wichtig?

Der Einsatz einer Saugglocke erfolgt, wenn eine zügige Beendigung der Entbindung medizinisch notwendig wird, ein Notkaiserschnitt aufgrund des bereits tiefstehenden Kopfes jedoch ungeeignet ist.

Typische Indikationen umfassen:

  • Fetale Notsituationen: Auffälliges Kardiotokogramm (pathologisches CTG), Sauerstoffmangel (Azidosegefahr)
  • Maternale Indikationen: Körperliche Erschöpfung der Gebärenden, Pressverbot bei kardialen Erkrankungen
  • Geburtsstillstand: Ausbleibender Fortschritt in der späten Austreibungsphase trotz ausreichender Wehentätigkeit

Eine Saugglockenentbindung erfordert zwingend eine präzise Indikationsstellung durch den betreuenden Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in Abstimmung mit der Hebamme.

In der Praxis

Vor dem Aufsetzen der Saugglocke prüft das geburtshilfliche Team die genaue Höhen- und Drehposition des Kindskopfes. Die Blase der Schwangeren wird meist per Katheter entleert, um Platz im Becken zu schaffen.

  1. Platzierung: Die Pelotte wird vorsichtig über die Scheide an den Flexionspunkt des kindlichen Schädels herangeführt.
  2. Vakuumaufbau: Über die Pumpe wird schrittweise der therapeutische Unterdruck erzeugt.
  3. Traktion: Synchron zur Wehe und dem Pressen der Mutter übt der Geburtshelfer sanften Zug in Führungslinie des Geburtskanals aus. Meist genügt der Zug über ein bis drei Wehen.

Nach der Geburt bildet sich an der Kontaktstelle oft eine vorübergehende Schwellung (Chignon bzw. Geburtsgeschwulst). Diese bildet sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden vollständig zurück. Das Neugeborene wird postpartal engmaschig auf Vitalparameter und Hämatome überwacht.

Häufige Fehler & Missverständnisse

  • Gleichsetzung mit der Zangengeburt: Eine Saugglocke greift nicht zangenförmig um den Kopf, sondern nutzt ausschließlich Oberflächenunterdruck. Sie benötigt weniger Raum im Becken als eine Geburtszange (Forceps).
  • Gefahr von Hirnschäden: Die Schwellung am Kopf liegt extrakranial im Unterhautgewebe. Das Gehirn des Säuglings wird durch die knöcherne Schädeldecke geschützt und nimmt durch den regulären Unterdruck keinen Schaden.
  • Dauerhafte Verformung: Das Chignon ist rein flüssigkeitsbedingt und hinterlässt keine dauerhaften Deformitäten der Schädelform.

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